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Anfänge | Ziele | Ausbildung | neue Führung | wichtige Ereignisse

 

Die Anfänge der Arbeisgemeinschaft zur Pflege des Volkstanzes (1960 bis 1985)

Volkstanz hat es in Südtirol natürlich vor der Gründung der Arbeitsgemeinschaft auch gegeben, selbst in der schwierigen zwanziger und dreißiger Jahren. Nach dem letzten Krieg war, wie auch in anderen Gebieten (Österreich, Bundesrepublik Deutschland u.a.) ein Neu-
beginn notwendig geworden. Es waren zuerst einzelne Versuche von Volkstanzbegeisterten, einige wenige Gruppen aufzubauen. Gelegentliche Auftritte dieser Gruppen und häufigere Anfragen von auswärts gaben
den Anstoß, dem Volkstanz größere Aufmerksamkeit zu widmen.

Im Jahre 1956 fand in Lienz eine erste gesamt-
österreichische Volkstanzwoche statt, zu der Luis Staindl über Prof. Karl Horak eingeladen wurde. Eine Reihe von Fachleuten vermittelte theoretische und praktische Kenntnisse und nach den dabei gemachten Erfahrungen und den Kenntnissen aus verschiedenen Bundesländern wurden zwölf einfache, allgemein bekannte Tänze als "Grundtänze" ausgewählt und für die österreichischen Gruppen als verbindlich erklärt; daneben legte man Wert auf die Erhaltung bodenständiger eigener Formen.

Nach mehreren Gesprächen mit dem damaligen Geschäftsführer des Verbandes Südtiroler Musikkapellen (VSM), Hans Nagele, reifte allmählich der Entschluss, ähnlich den erfolgreichen Kursen des VSM einen eigenen Ausbildungslehrgang für Volkstanz durchzuführen, der dann 1958 in Zusammenarbeit vom Landesverband für Heimatpflege und dem Assessorat für Schule und Kultur der Südtiroler Landesregierung im St.-Georgs-Heim in Bozen durchgeführt wurde. Neben Volkstanz wurde
durch die Mitarbeit von Fachleuten aus Österreich, Prof. Hermann Derschmidt und Prof. Franz Vogl, auch dem Lied und dem geselligen Spiel Beachtung geschenkt.

Ein zweiter Lehrgang fand unter gleicher Führung 1959 in Mühlbach statt, und es entstanden neue Grup-
pen. Um eine einheitliche Ausrichtung und Zusammenar-
beit der Gruppen zu erreichen, fasste der Landesverband für Heimatpflege den Beschluss, eine eigene Arbeitsge-
meinschaft zu gründen und dem Verbande anzugliedern. Am 31. Jänner 1960 wurden die damals bestehenden zwölf Gruppen zur Gründerversammlung nach Brixen eingeladen und diese genehmigten das erste, von Hans Nagele verfasste Statut und beschlossen die Gründung der Arbeitsgemeinschaft. Zum Vorsitzenden wurde das Vorstandsmitglied des Landesverbandes, Luis Staindl, bestimmt. Die Hauptzielsetzung der Arbeitsgemeinschaft wurde vom Vorsitzenden in einem Einführungsreferat kurz dargelegt:

Die Volkstanzpflege vertritt den Standpunkt, dass es viel wichtiger ist, dass 100 Paare fünf Tänze können, als fünf Paare 100 Tänze.

Wie ist dieses Ziel zu erreichen? Ein sicherer Erfolg kann unserer Arbeit nur dann beschieden sein, wenn wir zunächst in einzelnen Lehrgängen Volkstanz-
lehrer heranbilden, die einerseits die notwendigen praktischen Kenntnisse vermittelt bekommen, anderer-
seits aber auch in die theoretischen Grundlagen, d.h. in Wesen und Bedeutung des Volkstanzes, eingeführt werden.
Am 19. November 1960 wurde die "Bundesarbeitsgemein-
schaft Österreichischer Volkstanz" gegründet, in dessen Vorstand alle Bundesländer vertreten sein sollten; unsere Arbeitsgemeinschaft erhielt wieder über Prof. Karl Horak Verbindung dazu. Der Vorsitzende unserer Arbeitsgemein-
schaft wurde als Vertreter Südtirols in deren Vorstand berufen. Dank dieser Beziehungen war es immer wieder möglich, Fachleute aus Österreich, besonders aus Kärnten, für unsere Lehrgänge zu bekommen.

Die jährliche Durchführung einer Ausbildungs-
woche - 1960 in Sand in Taufers, tänzerisch von Hermann Derschmidt übernommen, 1961 wieder in Bozen und 1962 in Meransen - führten zwar zur Gründung neuer Gruppen, aber es zeigt sich, dass mit nur einer Woche die Ausbil-
dung der Tanzleiter nicht ausreichte. Außerdem konnten sich viele zu den festgelegten Terminen nicht freimachen. Daher beschloss der Vorstand, im Jahre 1962 zusätzlich Wochenendkurse an verschiedenen Orten des Landes durchzuführen und nach Möglichkeit auch einzelne Gruppen direkt zu betreuen. Ab 1961 konnten wir außerdem auch zu den Ausbildungswochen der Bundes-
arbeitsgemeinschaft "Österreichischer Volkstanz" zwei bis drei Paare schicken, sodass die Arbeit in den Gruppen mehr und mehr durch entsprechend ausgebildete Tanzleiter verbessert werden konnte.

Um den Zusammenhalt zwischen den Gruppen zu fördern, wurden ab 1963 jeweils im Sommer Gruppen-
treffen - jetzt Almtanz genannt - durchgeführt, ab 1965 im November der Kathreintanz und ab 1971 auch Maitänze. Hauptziel musste aber bleiben, den Volkstanz allmählich wieder zum "Tanz des Volkes" zu machen.

Dazu musste zunächst eine größere über das Land verteilte Gemeinschaft geschaffen werden, für die der Volkstanz zum Lebensinhalt werden sollte. Dem stand zum Teil noch die weit verbreitete Ansicht entgegen, Volkstanz sei nur für eine Gruppe zum Vorführen auf einer Bühne geeignet, nie jedoch für den allgemeinen Tanz. Seit
Jahren kannte man nämlich nichts anderes als Vor-
führungen größerer und schwierigerer Tänze auf der Bühne. Anlässlich der Feier zum 20-jährigen Bestand der Arbeitsgemeinschaft im Jahre 1980 hat der Vorsitzende bei einem kurzen Rundfunkinterview die Frage nach den weiteren Zielen mit dem Hinweis beantwortet, dass in Zukunft unbedingt in die Breite gearbeitet werden müsse, um aus der reinen Gruppentätigkeit herauszukommen und weitere Kreise zu erfassen. Das Wie wurde auch in unserem Vorstand einige Mal besprochen. Den Anfang hatte inzwischen bereits Lana mit ersten "Offenen Tanzen" versucht und andere Gruppen folgten allmählich nach. Zuerst kamen meist nur ehemalige Gruppenmit-
glieder der Einladung nach, doch langsam sprach es sich herum, dass zum offenen Tanzen keine besonderen Kenntnisse erforderlich seien und jeder, der Freude am Volkstanz habe, mittun könne. Inzwischen erfreut sich dieses "Offene Tanzen" einer steigenden Beliebtheit.

Nach 25 Jahren Tätigkeit beschloss der Vor-
sitzende die Arbeit in jüngere Hände zu legen, die für neue Impulse mit einer neuen Führungsmannschaft sorgen sollten. Anlässlich der Jahreshauptversammlung 1985 wurde auch das Statut etwas abgeändert. Der Vorsitzende sollte nicht mehr vom Landesverband für Heimatpflege bestimmt, sondern von den Gruppen selbst gewählt werden. Weiters wurde festgelegt, dass alle Bezirke im Vorstand vertreten sein sollen. Der erweiterte Vorstand besteht nunmehr aus einem 1. und einem 2. Vorsitzenden, einem Schriftführer und einem Kassier, je einem Referenten für die Ausbildung von Musikanten, einem für die Pflege des Liedes sowie den jeweiligen Bezirksvertretern.

Abschließend noch einige persönliche Gedanken: Als einer, der die 30 Jahre Arbeitsgmeinschaft miterlebt, zu einem Teil auch selbst mitgestaltet und insgesamt 50 Jahre mit dem Volkstanz gelebt hat, ist es für mich eine große Freude zu sehen, wie der Volkstanz sich heute großer Beliebtheit erfreut und wie der neue Vorstand wertvolle Arbeit leistet.

Luis Staindl
(Auszug aus "Der Schlern" 64. Jahrgang, Mai 1990, Heft 5)

 

Die wichtigsten Ereignisse und Tätigkeiten unserer Volkstanzbewegung in den Jahren von 1985 bis 1997

Mit viel Mühe und Einsatz konnte der "Bozner Bindertanz" nach Beschreibungen von Prof. Karl Horak und nach den Gemälden von Cusseth im Bozner Museum wiederbelebt werden, eine geschichtsträchtige und hochkulturelle Großform aus dem Mittelalter.

Anläßlich des 75. Geburtstages von Prof. Dr. Luis Staindl, unserem "Volkstanzvater", wurde auch der Tiroler Schwerttanz zu neuem Leben erweckt, mit nicht uner-
heblichen Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Schwerte und der Kleidung für den Schalksnarren (1988).

Ein Großereignis von besonderer Art und mit intensivstem Zeitaufwand und Arbeitseinsatz stellte das 4. Alpenländische Volkstanztreffen in Südtirol im Jahre 1990 dar.

Ab diesem Jahr wurde auch die Zusammenarbeit mit der Nordtiroler Arbeitsgemeinschaft ganz entschei-
dend verstärkt. Ein hervorstechendes Ergebnis dieser vortrefflichen Zusammenarbeit sind die seither alljährlich durchgeführten gemeinsamen Tanzleiterlehrgänge, die sehr positiv aufgenommen wurden und zu einer gewissen Qualitätsverbesserung in der Ausbildung der Tanzleiter geführt haben.

Nicht zu vergessen sind die Herausgabe neuer Arbeitsbehelfe, insbesondere verweise ich auf die Musik-
träger (CD und MC), die das Arbeiten ohne Musikant wesentlich erleichtert hat, sowie auf die Herausgabe des Notenheftes in Griffschrift für Ziehharmonikaspieler.

Viele dieser Ziele konnten nur erreicht werden, weil im Vorstand intensiv zusammengearbeitet worden
ist und zielorientiert gearbeitet wurde. Dies hat dazu geführt, daß sich der Vorstand unserer Arbeitsgemein-
schaft im Landesverband für Heimatpflege in seiner Tätigkeit eingeengt und eingeschränkt gefühlt hat, so
daß nach langen Verhandlungen und nach reiflicher Über-
legung der Schritt gewagt wurde, sich von der Mutter (L.f.H.) zu lösen und einen eigenen Hausstand zu gründen. Diese Entscheidung brachte sicher einige nicht zu unterschätzende Probleme organisatorischer und finanzieller Natur mit sich, die aber auf Grund der hervor-
ragenden Zusammenarbeit innerhalb des Vorstandes und der Mitgliedsgruppen mit Bravour gelöst werden konnten.

Eine weitere wichtige Entwicklung für unsere Arbeitsgemeinschaft in den Jahren nach 1985 war die schrittweise Stärkung des strukturellen Aufbaus der Bezirke. In dieser Hinsicht hat der Bezirk Burggrafenamt eine Vorreiterrolle gespielt und auf Grund der guten Erfahrungen wurde dieses Modell bald auch auf die anderen Bezirke ausgedehnt.

Walther Egger, Erster Vorsitzender 1985 bis 1997

   
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Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol
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