Meran. Das kürzlich im Kursaal abgehaltene Landes-Kathrein-Tanzfest war auch heuer wieder der Höhepunkt des Tanzjahres. Seit vielen Jahren Tradition, ist dieser Ball stets ein Fest der Begegnung, der Freude und vor allem des Tanzes. Aus ganz Südtirol, aber auch aus Österreich, Bayern und der Schweiz fanden sich wieder Tanzfreudige in ihren Festtagstrachten ein. Der Erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol, Armin Kobler, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Wiederum zeigte sich, dass die Musik und die Freude am Tanzen die Menschen auch über die politischen Grenzen hinaus vereinen kann, so Kobler. Um diese Einigkeit zu verdeutlichen, wurde zu Beginn des Festes das Lied "Tirol isch lei oans" angestimmt. Anschließend spielte die "Burgstaller Tanzlmusig" auf und die Tanzfläche wurde mit dem traditionellen Auftanz feierlich eröffnet. Bis weit nach Mitternacht konnte nun nach Herzenslust getanzt werden, wobei zwischen traditionellen "Volkstanzln" und "runden" Walzern und Polkas abgewechselt wurde. In der Tanzpause zeigten junge Volkstänzer aus dem Bezirk Überetsch/Unterland ihr Können. Sie führten den bei uns nicht so oft gesehenen Webertanz vor. Musikalisch begleitet wurden sie dabei von der Böhmischen der Musikkapelle Margreid.
Im Lauf des Abends habe ich einige Festteilnehmer über den Kathreintanz befragt. Hier die verschiedenen Kommentare:
Verena aus Steinegg besuchte das Landes-Kathrein-Tanzfest zum ersten Mal und war begeistert: "Es gefällt mir super! Der Kathreintanz ist schöner als andere Feste. Ich habe von Anfang bis Ende getanzt. Beim Auftanz mitmachen zu dürfen war ein besonderes Erlebnis."
Rita aus Innsbruck und Doris aus Wörgl gefielen die vielen Trachten besonders gut und das elegante Ambiente des Kursaales. "Da ist nicht nur das Tanzen ein Genuss, sondern auch das Zuschauen". Sie fanden es super, dass die Musikgruppe so viele Zugaben spielte.
Die zünftige Musik begeisterte auch Ernst Friedrich, der bereits zum dritten Mal die weite Reise aus Niederösterreich unternahm, um am Kathreintanz teilzunehmen. "Bei Tanzfesten in Wien kommt keine Musikgruppe ohne Verstärker aus. Auch das Ambiente in Meran übertrifft den Wiener Kursalon bei weitem." Gut fand er auch die Einteilung der Tanzfolge in Blöcke: "So hat man in den kurzen Pausen die Möglichkeit, einen neuen Tanzpartner zu finden ohne dabei einen Tanz zu versäumen."
Die vorgegebene Tanzfolge etwas streng fand Melanie Sanin aus Margreid. "Ich dachte bis jetzt, dass ich tanzen kann, aber bei den Volkstänzen kann ich leider nicht mithalten. Zum Glück wurden zwischendurch auch einfache, runde Walzer und Polkas gespielt."
Fritz aus Tscherms findet es jedesmal schön, beim Kathreintanz viele alte Bekannte zu treffen. "Schade, dass es nicht möglich ist, mit allen zu tanzen die man kennt, aber dann müsste das Fest bis um sieben Uhr früh dauern."
Aus dem Kanton Appenzell in der Schweiz hergereist waren Ruedi und Annemarie Holderegger. Sie kennen den Südtiroler Volkstanz durch Kontakte mit der Volkstanzgruppe Lana und besuchten das Landes-Kathrein-Tanzfest bereits zum fünften oder sechsten Mal. "So viele Trachten bekommt man in der Schweiz nirgends zu sehen. Es ist schön, dass auch so viele junge Leute hier sind. Bei uns wird sehr viel weniger getanzt, und wenn, dann eher ältere Leute," sagte Annemarie Holderegger.
Eine Tänzerin vom Ritten erzählte mir, dass sie bereits in jüngeren Jahren stets den Landes-Kathrein-Tanz besucht hat. Jetzt komme sie mit ihren Kindern her. "Im Vergleich zu früher werden jetzt viel mehr Trachten getragen".
Von den vielen Trachten begeistert waren auch einige Tänzer aus dem Hochpustertal. Sie waren gemeinsam mit anderen in einem vom Tanzkreis St. Georgen organisierten Bus nach Meran gekommen. "Wir kennen den Volkstanz, weil wir oft Offenes Tanzen gehen. Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Kathreintanz. Es ist wirklich ein schönes Fest."
Martha Eisenstecken aus St. Pauls hatte dieses Jahr das Glück, zwei Eintrittskarten und eine Auftanzkarte durch die Radiosendung "A Tanzl, a Weis‘" im RAI Sender Bozen zu gewinnen. "Das war schon toll, besonders die Auftanzkarte. Ich bin schon etwa elf Jahre beim Volkstanz und weiß, dass immer nur ein oder zwei Paare pro Gruppe die Möglichkeit haben, beim Auftanz mitzumachen."
Aus der Nachbarprovinz Belluno waren Antonio Pampanin und Giorgio Deon gekommen, die über die Internetseite der ArGe Volkstanz in Südtirol auf die Veranstaltung aufmerksam wurden. Zwar selbst keine Tänzer, sind sie Fans der Burgstaller Tanzlmusig und begeisterte Zuhörer und Zuseher. "È stato tutto molto affascinante: la bellezza dei costumi, la varietà dei balli tradizionali, l’esecuzione musicale sempre ineccepibile, l’eleganza e perfezione formale della Kursaal... Mi sembrava di vivere un sogno!", schwärmte Antonio Pampanin. "Spero di poter ritornare il prossimo anno."
Martina Laner