Europeade in der Landeshauptstadt
Europa tanzt und musiziert in Bozen
Größtes Volkskulturtreffen Europas in der Südtiroler Landeshauptstadt
(siehe dazu auch Bildergalerie)
Fünf Tage lang erstrahlte Bozen in den Farben der Trachten aus allen Teilen Europas. Über 5.500 Tänzerinnen und Tänzer, Musikantinnen und Musikanten und Sängerinnen und Sänger aus mehr als 30 Ländern unseres Kontinents feierten vom 21. bis zum 25. Juli 2010 ein Fest im Zeichen des Friedens und der Freundschaft. Anlässlich verschiedenster Veranstaltungen im Rahmen dieses Festivals gaben sie die Tänze und das Liedgut ihrer Heimat zum Besten und sorgten somit dafür, dass das Herz der europäischen Volkskultur in Bozen schlug.
Zum ersten Mal war die Europeade, die seit 47 Jahren stets in einer anderen Stadt unseres Kontinents ausgetragen wird, in Südtirol zu Gast. Dieses Treffen von Kulturträgern aus ganz Europa - von Grönland über Zypern, von Portugal bis nach Estland – ist stets ein Ort des Zusammenkommens von Menschen aus unterschiedlichen Regionen Europas zum Tanzen, Singen und Musizieren. Der Präsident des Internationalen Europeade Komitees, Bruno Peeters, betont: „Seit der ersten Europeade 1964 versucht diese Veranstaltung die Tradition und Identität jeder vertretenen Region und somit das Kaleidoskop des europäischen Kulturerbes einer größeren Menge zugänglich zu machen.“
Nach dem Motto „Einheit in Verschiedenheit“ wurde auch in Bozen in allen Stadtvierteln getanzt und musiziert. Dabei gab es im Laufe der fünf Festivaltage für die Gruppen eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich und ihre Kultur zu präsentieren. Jeweils 2.500 Tänzerinnen und Tänzer zeigten bei den großen Abendveranstaltungen am Donnerstag zur Eröffnung und als Abschluss am Sonntag in der Eiswelle Tanzformen, -schritte und -figuren, die in Bozen bisher sicherlich nicht zu sehen waren. Bühne frei für die Chöre hieß es am Freitag beim großen Chorkonzert im Auditorium und auch am Sonntag gestalteten sie ein sakrales Konzert im Bozner Dom.
Um den zahlreichen Kindergruppen und auch den jugendlichen Mitgliedern der Tanzgruppen einen Eindruck des Tiroler Tanzgutes zu geben wurde zudem ein Workshop gestaltet. Dabei zeigten Südtiroler Kindertanzreferentinnen und –referenten einheimische Tänze und die fast 200 anwesenden Kinder machten fleißig mit und werden in der Heimat in Zukunft vielleicht auch den einen oder anderen Tanz aus Südtirol proben.
Den Höhepunkt der Veranstaltung stellte wie jedes Jahr der Umzug der europäischen Volksgemeinschaften durch den Veranstaltungsort dar. Sämtlichen Gruppen präsentierten dabei ihre farbenprächtigen Trachten, die schwungvolle Musik und die interessanten Tänze. Mehrere tausend Zuschauer säumten dabei die Straßen der Bozner Altstadt und sorgten für eine unvergessliche Atmosphäre und gute Stimmung, die auch beim anschließenden Europeadeball am Siegesplatz noch bis in die frühen Morgenstunden anhielt. „Musik und Tanz verbinden und ermöglichen eine Kommunikation ohne Worte. Es war großartig zu beobachten und mitzuerleben, wie Menschen aus aller Herren Ländern zusammen feierten und sich trotz sprachlicher Schwierigkeiten blendend verstanden haben“, berichtet Monika Rottensteiner, die Erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz und gleichzeitig auch Präsidentin des Bozner Organisationskomitees.
Seit über einem Jahr hat das Lokale Organisationskomitee der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Zusammenarbeit mit der Stadt Bozen und dem Internationalen Europeade Komitee mit Sitz in Belgien an der Realisierung dieser Großveranstaltung gearbeitet. Dabei galt es die eine oder andere Herausforderung zu bewältigen und auch eine Vielzahl von freiwilligen Helfern war im Einsatz. Mehr als 200 Personen jeder Altersklasse, vor allem Mitglieder der Südtiroler Volkstanzgruppen, arbeiteten sowohl im Vorfeld als auch bei der Veranstaltung selbst ehrenamtlich mit. Die Einsatzbereiche waren dabei so facettenreich wie die Trachten und Tänze der teilnehmenden Gruppen: einige fungierten als Begleiter für die Volkstanzgruppen, Chöre und Musikkapellen, andere waren beim Packen der Lunchpakete und beim Vorbereiten der Unterkünfte tätig. Auch beim Auf- und Abbauen der Technik und bei der Verpflegung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte jede helfende Hand gebraucht werden.
Natürlich beteiligten sich die Mitgliedsgruppen der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz auch tänzerisch an der Europeade. Schon am Ankunftstag wurden die Europeadegruppen am Waltherplatz mit Südtiroler Tänzen und Klängen auf das Festival eingestimmt und lernten dabei erstmals unsere Volkskultur kennen. Bei der großen Eröffnungsveranstaltung gaben mehrere Gruppen den Startschuss zum Festival und begrüßten die Gäste mit einem flotten Boarischen, womit sie die Figurenvielfalt dieses für unsere Region typischen Tanzes aufzeigten. Auch am großen Festumzug durch die Innenstadt waren Südtiroler Tanzgruppen mit von der Partie und führten den Reigen der über 200 Gruppen an. Zum Abschluss zeigten 24 Paare aus dem Burggrafenamt den Südtiroler Bandltanz und sorgten somit für ein eindrucksvolles Ende dieses größten europäischen Volkstanz- und Musikfestivals. Im Anschluss daran wurde einer Delegation aus Estland symbolisch die Europeadefahne überreicht, wo in Tartu die 48. Ausgabe dieses Festivals stattfindet. Dort werden die Südtiroler Volkstänzerinnen und Volkstänzer wieder auftanzen, um im Juli 2011 die Fahne auch offiziell an den nächsten Austragungsort zu übergeben und einen Teil der Südtiroler Volkskultur einem europäischen Publikum präsentieren.
Judith Unterholzner
Zurück
|