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Festvortrag von Stefan Benedik Karner im Rahmen der 50. Jahresvollversammlung

Die junge Tradition und die alte Zukunft
Festreferat von Stefan Benedik Karner anlässlich der 50. Jahresvollversammlung der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz
(siehe dazu auch Bildergalerie)

Warum die Zukunft von „Volkskultur“ nichts mit dem Alter ihrer Akteurinnen und Akteure zu tun hat, war einer jener Denkanstöße, die Stefan Benedik Karner in seinem Referat im Rahmen der heurigen Jahresvollversammlung der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz gegeben hat. Karner, der als Historiker und Anthropologe an der Universität Graz tätig ist, engagiert sich schon seit einiger Zeit für den Volkstanz. Dabei ist er als Beirat für Jugendarbeit im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz aktiv und organisiert auch die jungen! tanz tage.

In seinem Festvortrag räumte der Referent zunächst mit einigen Vorurteilen zur Jugend von heute auf. Anhand historischer Inschriften und Zitate führte er den Anwesenden vor Augen, dass die derzeitige Jugend alles andere als anders ist und schon vor Jahrtausenden Vorurteile gegenüber der jungen Generation unsere Haltung geprägt haben, was immer wieder zu unbegründeten Berührungsängsten geführt hat. Auch die Entwicklungen unserer Zeit wirken sich nicht nur auf die Jugendlichen aus, sondern stellen an Menschen aller Altersgruppen neue Anforderungen und bieten ihnen gleichzeitig auch neue Freiräume. Somit stehen alle Generationen vor der schwierigen Entscheidung, wie sie ihre Freizeit gestalten und in welchen Bereichen sie aktiv werden wollen. Die Versteifung der Volkskulturpflege auf die 15-30 Jährigen ist dadurch als unberechtigt anzusehen und kann den verschiedenen Organisationen zum Stolperstein werden, da man andere Zielgruppen komplett aus dem Auge verliert.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte Karner dem Phänomen, dass für viele im Begriff „Volkskultur“ auch noch eine gewisse „Folg!Kultur“ mitschwingt. Gar einige Barrieren können dadurch gegenüber potentiell Interessierten aufgebaut werden, denn das unreflektierte Übernehmen von Regelen und Vorgaben, kann ebenso wie der stets pädagogische und moralische Anspruch, die Idee der (Volkstanz)familie und auch die Verbindung zu Ideologien bremsend wirken. Und zwar nicht nur im Bezug auf die Kreativität bzw. den kreativen Umgang mit der Volkskultur sondern auch über die prinzipielle Entscheidung zum Mitmachen. Mit der Aufforderung „Seht die Tradition als Angebot und nicht als Pflichtprogramm“ unterstrich der Festredner die lebenslange Bindung an den Verein als Chance, keineswegs aber als Pflicht zu sehen, da „Volkskultur, die man nicht heiraten muss, attraktiver ist“.
Auch auf die teils sehr widersprüchlichen Ansprüche der Volkskultur ging Karner ein und legte in seinen Erläuterungen den Fokus auf die gängigen Bilder der Volkskultur, die fälschlicherweise annehmen, dass es sich um etwas Zeitloses handelt, das unabhängig von politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen seinen Bestand hat. In Wirklichkeit ist aber auch die Volkskultur von den einhergehenden Änderungen in keinster Weise gefeit, was die Tradition aber auch „echt“ macht. „Tradition ist nur durch Veränderung möglich“, ist Karner überzeugt, der auch betonte, dass Ausgrenzungen, Regeln und Normierungen, Sendungsbewusstsein und Missionierungsbetrieb und Altmeister und Gurus eine Bedrohung für die Tradition darstellen.
Abschließend versuchte er den anwesenden Funktionärinnen und Funktionären die Angst vor scheinbar bedenklichen Tendenzen und herrschenden Vorurteilen zu nehmen und lud alle ein, Volkskultur neu zu denken. Nur wenn wir diese Entkrampfen (Hindernisse beseitigen), Ent-Werten (Einsicht, dass die Aktivität der Volkskultur nicht besser oder schlechter ist als andere), Aufwerten (Kreativität macht Tradition lebendig und breitenwirksam) und von Zwängen befreien, dann hat Tradition eine Chance und dann ist auch die Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol für die nächsten 50 Jahre ihrer Tätigkeit bestens gerüstet. 

Judith Unterholzner



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