Menschen über das Tanzen - die Kultur - einander näher bringen - Europeade 2012
(siehe dazu auch Bildergalerie)
Die Volkstanzgruppe Terlan konnte sich heuer im Rahmen des Maibaumfestes über die Anwesenheit eines besonderen Ehrengastes freuen. Bruno Peeters, der Vorsitzende des Europeadekomitees, war nach Terlan gekommen, um sich vor Ort ein Bild von der Tätigkeit des Vereins zu machen.
Nachdem die Terlaner Volkstänzer im vergangenen Sommer zusammen mit 4.500 anderen Tänzerinnen und Tänzern am europäischen Volkstänzertreffen in Horsens (Dänemark) teilgenommen hat und auch bei früheren Ausgaben mit von der Partie war, wurde die Idee geboren dieses internationale Treffen nach Südtirol zu holen. Zusammen mit der Stadt Bozen als potentiellen Austragungsort hat man mit dem Europeadekomitee Kontakt aufgenommen und es ebenso wie L’Aquila, die Hauptstadt der Abruzzen, Cantanhede in Portugal und zwei weitere Städte in Großbritannien und Spanien in die letzte Auswahlrunde für die Europeade 2012 geschafft. Bruno Peeters hat sich in Bozen mit eigenen Augen davon überzeugt, ob die Landeshauptstadt die nötigen Voraussetzungen und Infrastrukturen für eine derartige Veranstaltung besitzt. Die Europeade, die seit 1964 jährlich in verschiedenen Städten Europas über die Bühne geht, ist der Ausdruck eines Akts des Glaubens an die Freundschaft und Brüderlichkeit zwischen den Völkern des europäischen Kontinents auf der Grundlage des Gedankens der Einheit in der Verschiedenheit. Die Macher der Europeade haben es sich zur Aufgabe gemacht, ein zusammen wachsendes Europa zu begleiten, in dem jeder seine eigene Kultur mitbringt, lebt und weiter pflegt - und zwar ohne den anderen verbiegen zu wollen. Dies gelingt jedes Jahr fünf Tage lang, wenn sich Tausende von Trachtenträgern aus Europa an jeweils wechselnden Orten treffen; dort singen, musizieren, tanzen und feiern - ohne große Reden.
Dennoch hat Bruno Peeters Rede und Antwort gestanden, als wir Terlaner ihm einige Fragen gestellt haben.
Herr Peeters, wie würden Sie die Europeade jemandem beschreiben, der noch nie von dieser Veranstaltung gehört hat?
Bruno Peeters: Die Europeade ist eine Bewegung, deren Ziel darin besteht Freundschaft zwischen den verschiedenen Volksgruppen Europas zu stiften und diese durch gemeinsamen Tanz, Musik und das Tragen der Tracht, die eine Brückenfunktion zwischen den Völkern bilden, auszudrücken. In Anlehnung an den Vertrag von Rom, der im Jahre 1957 den ersten Grundstein zur Europäischen Union legte, versucht die Europeadebewegung, die 1964 das erste Kulturtreffen organisierte, die Menschen nicht über die Wirtschaft sondern über deren Kultur – das Tanzen - einander näher zu bringen.
Welche Chance stellt die Europeade für Bozen bzw. Südtirol dar?
Bruno Peeters: Mit einer Veranstaltung in der Größenordnung der Europeade, im Rahmen der zwischen 4000 und 5000 Tänzerinnen und Tänzer und Musikgruppen für 4 Tage in den Austragungsort kommen, bietet sich für eine Stadt die Möglichkeit seine Kultur einem größeren Publikum vorzustellen und mit einer Vielzahl von Menschen Kontakte zu knüpfen. Schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Einwohner der verschiedenen Städte von den Auswirkungen und Bekanntschaften der Europeade derartig begeistert waren, dass das Kulturtreffen noch ein oder sogar mehrere Male in diesen Ort geholt wurde.
Welchen Anforderungen muss eine Stadt gerecht werden, damit das Europeadekomitee beschließt die Europeade dort auszutragen?
Bruno Peeters: Ein wichtiger Aspekt, der über die Vergabe einer derartigen Großveranstaltung entscheidet, ist sicherlich die Möglichkeit einer Integration der Teilnehmer in die Bevölkerung und deren Begeisterung für die Veranstaltung. Wenn die Bevölkerung nicht gewillt ist, das Kulturtreffen mit zu tragen, kann die freundschaftsstiftende Mission der Europeade nicht entsprechend erfüllt werden. Zudem ist eine gute logistische Unterstützung vonseiten des Austragungsortes essentiell, damit den Teilnehmern, die viel Energie, Mühe und Kosten aufbringen um dabei sein zu können, eine entsprechende Unterkunft und Verpflegung gewährt werden kann. Auch eine gewisse Anzahl freiwilliger ortskundiger Helfer, die die Gruppen vor ort begleitet und bei sprachlichen und sonstigen Problemen unterstützt, ist notwendig, um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung gewährleisten zu können.
Wie werden Sie sich in den nächsten Tagen ein Bild von Bozen als potentiellen Austragungsort der Europeade 2012 machen?
Bruno Peeters: Für die nächsten Tage ist ein Zusammentreffen der politischen Führungsriege von Bozen geplant. Neben der Einstellung der Verantwortlichen zu den Idealen und zur Mentalität der Europeade werde ich mir auch ein Bild von Bozens Infrastrukturen machen, wobei es darum geht mögliche Unterkünfte (Schulen, Kindergärten, Turnhallen) und Verpflegungsstationen zu besichtigen. Aber auch über die finanzielle Absicherung der Veranstaltung, die sowohl von der Teilnahmegebühr der Gruppen als auch durch die Stadt selbst getragen wird, wird natürlich gesprochen werden.
Interview: Judith Unterholzner
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